Blutdruck

Blutdruck messen: Anleitung und Tipps

Blutdruck messen: eine klare Anleitung zu Technik, Geräten und Ablauf – plus Tipps, wie Sie Werte richtig deuten und wann ein Arztbesuch sinnvoll ist.

Blutdruck messen: Anleitung und Tipps

Blutdruck messen bedeutet, den Druck zu ermitteln, mit dem das Blut durch die Arterien fließt – ausgedrückt in zwei Werten, die zusammen Auskunft über die Arbeit des Herz-Kreislauf-Systems geben. Diese Messung gehört zu den einfachsten und zugleich aussagekräftigsten Methoden, um die eigene Gesundheit im Blick zu behalten, egal ob in der Arztpraxis oder mit einem eigenen Gerät zu Hause.

Wer den eigenen Blutdruck regelmäßig kontrolliert, kann Veränderungen frühzeitig bemerken und sie gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt einordnen. Dieser Beitrag erklärt, wie eine Messung abläuft, welche Geräte sich eignen, welche Fehler häufig passieren und was die ermittelten Zahlen bedeuten.

Was die beiden Blutdruckwerte bedeuten

Bei jeder Messung erscheinen zwei Zahlen, zum Beispiel „120 zu 80“. Der erste, obere Wert heißt systolischer Blutdruck und beschreibt den Druck in den Arterien, während sich der Herzmuskel zusammenzieht und Blut in den Körper pumpt. Der zweite, untere Wert ist der diastolische Blutdruck und zeigt den Druck an, der herrscht, wenn sich das Herz zwischen zwei Schlägen entspannt und wieder mit Blut füllt.

Beide Werte werden in der Einheit mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) angegeben. Diese Einheit stammt aus älteren Messgeräten mit Quecksilbersäule und wird bis heute verwendet, auch wenn moderne Geräte elektronisch arbeiten.

Der Blutdruck ist keine feste Zahl, sondern schwankt im Tagesverlauf: Er reagiert auf Bewegung, Stress, Temperatur, Mahlzeiten und die Tageszeit. Deshalb sagt eine einzelne Messung weniger aus als mehrere Messungen über Tage oder Wochen hinweg. Wie diese Werte im Detail einzuordnen sind, hängt außerdem von individuellen Faktoren wie Alter, Vorerkrankungen, Schwangerschaft oder eingenommenen Medikamenten ab – diese Einschätzung sollte immer eine medizinische Fachperson vornehmen.

Blutdruck selbst messen: Diese Geräte gibt es

Für die Messung zu Hause haben sich automatische, digitale Geräte durchgesetzt, die den Blutdruck mit einer Manschette am Oberarm messen. Oberarmgeräte gelten allgemein als zuverlässiger als Handgelenkgeräte, weil sich das Handgelenk näher an kleineren Arterien befindet und die Messung dort empfindlicher auf Haltungsfehler reagiert.

Wer dennoch ein Handgelenkgerät nutzen möchte, etwa weil der Oberarm aus gesundheitlichen Gründen nicht geeignet ist, sollte besonders auf die richtige Haltung achten: Das Handgelenk muss sich während der Messung auf Herzhöhe befinden. In der Apotheke oder im Fachhandel lässt sich außerdem erfragen, welche Geräte nach anerkannten Prüfverfahren validiert wurden.

Wichtig ist zudem die passende Manschettengröße. Eine zu kleine Manschette an einem kräftigen Oberarm führt zu falsch hohen Werten, eine zu große Manschette an einem schmalen Arm zu falsch niedrigen. Viele Geräte werden deshalb mit zwei Manschettengrößen oder verstellbaren Modellen angeboten. Klassische manuelle Messungen mit Stethoskop und aufblasbarer Manschette kommen heute vor allem in Arztpraxen zum Einsatz, da sie Übung erfordern.

Bevor ein neues Gerät regelmäßig genutzt wird, lohnt es sich, die Anzeigewerte einmal mit einer Messung in der Arztpraxis zu vergleichen. So lässt sich einschätzen, ob das eigene Gerät plausible Werte liefert.

Schritt für Schritt: So funktioniert die Blutdruckmessung

Damit eine Messung aussagekräftig ist, sollte sie immer unter ähnlichen, ruhigen Bedingungen stattfinden. Folgender Ablauf hat sich für die Messung zu Hause bewährt:

  • Etwa 30 Minuten vor der Messung auf Kaffee, Nikotin, Alkohol und körperliche Anstrengung verzichten.
  • Vor der Messung die Toilette aufsuchen, da eine volle Blase den Wert leicht erhöhen kann.
  • Sich fünf Minuten lang ruhig hinsetzen, Rücken angelehnt, beide Füße flach auf dem Boden, Beine nicht übereinandergeschlagen.
  • Den Arm entspannt auf einen Tisch legen, sodass sich die Manschette in etwa auf Höhe des Herzens befindet.
  • Die Manschette auf nackter Haut anlegen, nicht über der Kleidung.
  • Während der Messung nicht sprechen und möglichst stillsitzen.

Für zuverlässige Werte wird empfohlen, die Messung zweimal im Abstand von ein bis zwei Minuten zu wiederholen und den Mittelwert zu notieren. So lassen sich einzelne Ausreißer, etwa durch kurzzeitige Nervosität, besser erkennen.

Häufige Fehler bei der Blutdruckmessung vermeiden

Viele Abweichungen bei häuslichen Messungen entstehen nicht durch das Gerät, sondern durch die Messsituation selbst. Wer typische Fehler kennt, kann sie leicht vermeiden.

  • Falsche Armhaltung: Hängt der Arm nach unten oder liegt er zu hoch, verändert sich der gemessene Wert spürbar.
  • Sprechen während der Messung: Schon ein kurzes Gespräch kann den systolischen Wert um mehrere Einheiten erhöhen.
  • Übereinandergeschlagene Beine: Diese Haltung erhöht den Blutdruck messbar und wird häufig unterschätzt.
  • Messung direkt nach Anstrengung: Treppensteigen, Radfahren oder Eile vor der Messung verfälschen das Ergebnis für einige Minuten.
  • Nur eine einzelne Messung: Ein einzelner Wert kann durch Tagesform oder Nervosität ungenau sein.
  • Falscher Zeitpunkt: Wird mal morgens, mal abends, mal nach dem Essen gemessen, sind die Werte kaum vergleichbar.

Wer diese Punkte beachtet, erhält deutlich verlässlichere Werte und kann echte Veränderungen von alltäglichen Schwankungen unterscheiden.

Wann und wie oft sollte man den Blutdruck messen?

Für Menschen ohne bekannte Blutdruckprobleme reicht es meist aus, den Blutdruck gelegentlich zu kontrollieren, etwa bei Vorsorgeuntersuchungen oder wenn Beschwerden auftreten. Wurde jedoch bereits ein erhöhter oder stark schwankender Blutdruck festgestellt, empfiehlt die behandelnde Praxis häufig regelmäßigere Kontrollen zu Hause.

Ein bewährtes Vorgehen ist, morgens und abends zu jeweils ähnlicher Uhrzeit zu messen, idealerweise bevor Medikamente eingenommen werden, falls solche verordnet sind. Die genaue Häufigkeit und der beste Zeitpunkt hängen jedoch von der individuellen Situation ab und sollten mit einer Ärztin oder einem Arzt abgestimmt werden.

Praktisch hat sich das Führen eines Blutdrucktagebuchs bewährt: Dabei werden Datum, Uhrzeit und beide Werte notiert, oft ergänzt um den Puls. Viele digitale Geräte speichern diese Werte automatisch und können sie auf Wunsch anzeigen oder auf ein Smartphone übertragen. Ein solches Protokoll ist bei einem Arztbesuch oft hilfreicher als eine einzelne Momentaufnahme, weil es den Verlauf über mehrere Tage oder Wochen zeigt.

Wer den Blutdruck selber messen möchte, sollte außerdem auf ungewöhnliche Situationen achten, etwa Krankheit, starken Stress oder eine durchwachte Nacht, und dies im Tagebuch vermerken. Solche Umstände erklären oft einzelne auffällige Werte, ohne dass sie gleich beunruhigend sein müssen.

Blutdruck am Bein messen: ein Sonderfall

In den meisten Fällen wird der Blutdruck am Oberarm gemessen, da dort die Werte gut mit dem Druck in den großen Körperarterien übereinstimmen. In bestimmten medizinischen Situationen wird der Blutdruck jedoch am Bein gemessen, etwa wenn beide Arme aus gesundheitlichen Gründen nicht genutzt werden können – zum Beispiel nach bestimmten Operationen, bei liegenden Kathetern oder bei Gefäßzugängen für die Dialyse.

Für die Messung am Bein wird eine größere Manschette meist am Oberschenkel angelegt, seltener am Unterschenkel oder Knöchel. Die Werte fallen dabei anders aus als am Arm, weshalb medizinisches Fachpersonal die Ergebnisse entsprechend einordnet. Eine bekannte Anwendung ist der Vergleich von Druckwerten an Arm und Knöchel, mit dem sich Hinweise auf die Durchblutung der Beine gewinnen lassen; dieses Verfahren wird in der Regel in einer Praxis oder Klinik durchgeführt und nicht routinemäßig zu Hause.

Für den Alltag gilt: Wer keine besonderen medizinischen Gründe hat, misst den Blutdruck weiterhin am Oberarm. Wird eine Messung am Bein empfohlen, geschieht dies gezielt und wird von Fachpersonal erklärt und durchgeführt.

Blutdruckwerte richtig einordnen

Um Messwerte grob einordnen zu können, wird häufig eine allgemein gebräuchliche Einteilung herangezogen. Sie dient als Orientierung und ersetzt keine individuelle ärztliche Beurteilung, die weitere Faktoren wie Alter, Begleiterkrankungen oder Medikamente berücksichtigt.

KategorieSystolisch (mmHg)Diastolisch (mmHg)
Optimalunter 120unter 80
Normal120–12980–84
Hoch-normal130–13985–89
Hypertonie Grad 1140–15990–99
Hypertonie Grad 2160–179100–109
Hypertonie Grad 3180 oder höher110 oder höher

Werte deutlich unter 90/60 mmHg werden allgemein als niedriger Blutdruck bezeichnet. Ein niedriger Wert ist nicht automatisch besorgniserregend, kann aber bei Beschwerden wie Schwindel abgeklärt werden.

Wichtig: Eine einzelne erhöhte Messung bedeutet nicht automatisch eine dauerhafte Erkrankung. Erst wiederholte, unter ruhigen Bedingungen gemessene Werte über mehrere Tage geben ein verlässliches Bild. Die endgültige Einschätzung und mögliche nächste Schritte sollten immer gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt besprochen werden.

Blutdruck messen lassen: Der Unterschied zur Selbstmessung

Neben der Messung zu Hause lässt sich der Blutdruck in der Arztpraxis oder Apotheke messen. Dort kommen kalibrierte Geräte zum Einsatz, und die Messung erfolgt nach einem standardisierten Ablauf, oft mehrfach hintereinander.

Interessanterweise unterscheiden sich Werte aus der Praxis manchmal von denen zu Hause. Ein bekanntes Phänomen ist die sogenannte Weißkittel-Hypertonie: Manche Menschen zeigen in der Arztpraxis höhere Werte, weil allein die Situation Nervosität auslöst, während die Werte zu Hause im normalen Bereich liegen. Umgekehrt gibt es auch die sogenannte maskierte Hypertonie, bei der die Praxiswerte unauffällig sind, die häuslichen Werte aber erhöht ausfallen.

Aus diesem Grund wird bei unklaren oder grenzwertigen Ergebnissen häufig eine Kombination aus Praxismessung, häuslicher Selbstmessung und gegebenenfalls einer 24-Stunden-Blutdruckmessung genutzt. Bei dieser Langzeitmessung trägt die betroffene Person ein kleines, tragbares Gerät, das über einen Tag verteilt automatisch in festgelegten Abständen misst – auch nachts. So entsteht ein umfassenderes Bild als durch eine einzelne Messung.

Wer unsicher ist, ob die eigenen Werte zu Hause verlässlich sind, kann das Gerät regelmäßig mit einer Messung in der Praxis abgleichen lassen. Das schafft Vertrauen in die eigenen Messungen und hilft, Auffälligkeiten richtig einzuordnen.

Warnzeichen: Wann ärztlicher Rat nötig ist

Gelegentliche Schwankungen des Blutdrucks sind normal und meist kein Grund zur Sorge. Anders sieht es aus, wenn wiederholt sehr hohe oder sehr niedrige Werte gemessen werden oder wenn Beschwerden dazukommen.

Zu den Anzeichen, bei denen zeitnah medizinischer Rat eingeholt werden sollte, zählen unter anderem:

  • Starke, plötzlich auftretende Kopfschmerzen in Verbindung mit sehr hohen Messwerten
  • Brustschmerzen, Engegefühl oder Atemnot
  • Sehstörungen, Sprachstörungen oder plötzliche Schwäche in Arm oder Bein
  • Wiederholt sehr niedrige Werte mit Schwindel, Ohnmachtsneigung oder Stürzen
  • Dauerhaft erhöhte Werte über mehrere Tage, obwohl korrekt und in Ruhe gemessen wurde

Bei akuten, starken Beschwerden ist der Notdienst oder die Notaufnahme die richtige Anlaufstelle. Bei wiederholt auffälligen Werten ohne akute Beschwerden ist ein Termin in der Hausarztpraxis der passende nächste Schritt. Insbesondere bei bestehenden Vorerkrankungen, in der Schwangerschaft oder bei der Einnahme von Medikamenten, die den Blutdruck beeinflussen können, sollten Auffälligkeiten nicht selbst gedeutet, sondern ärztlich abgeklärt werden.

Häufig gestellte Fragen

Wie oft sollte man den Blutdruck messen?

Wie oft gemessen werden sollte, hängt von der persönlichen Situation ab. Menschen ohne bekannte Auffälligkeiten messen meist nur gelegentlich, während bei bereits festgestellten erhöhten Werten regelmäßigere, oft tägliche Messungen zu ähnlichen Uhrzeiten sinnvoll sein können – die genaue Empfehlung sollte mit einer Ärztin oder einem Arzt abgestimmt werden.

Welche Tageszeit eignet sich am besten zum Messen?

Am aussagekräftigsten sind Messungen, die täglich zu ähnlichen Zeiten stattfinden, häufig am Morgen vor dem Frühstück und am Abend vor dem Schlafengehen. Wichtiger als die genaue Uhrzeit ist die Konsistenz, damit die Werte über mehrere Tage vergleichbar bleiben.

Warum unterscheiden sich Werte zu Hause und in der Arztpraxis?

Solche Unterschiede entstehen häufig durch Nervosität in der Praxissituation oder durch entspanntere Bedingungen zu Hause. Dieses Phänomen ist bekannt und wird bei der Bewertung der Werte von Fachpersonal berücksichtigt.

Sind Handgelenk-Blutdruckmessgeräte ausreichend genau?

Handgelenkgeräte können brauchbare Werte liefern, gelten aber allgemein als etwas fehleranfälliger als Oberarmgeräte, vor allem wenn das Handgelenk während der Messung nicht exakt auf Herzhöhe gehalten wird. Für die meisten Menschen wird deshalb ein Oberarmgerät empfohlen.

Ab welchem Wert gilt Blutdruck als zu hoch?

Als grobe Orientierung gelten Werte ab etwa 140/90 mmHg bei wiederholter, korrekter Messung als erhöht. Eine verlässliche Einschätzung, ob und was das im Einzelfall bedeutet, kann jedoch nur eine ärztliche Untersuchung liefern, da individuelle Faktoren eine Rolle spielen.

Kann der Blutdruck auch am Bein gemessen werden?

Ja, das ist in bestimmten medizinischen Situationen möglich und üblich, etwa wenn eine Messung am Arm nicht durchgeführt werden kann. Diese Messung erfolgt in der Regel durch geschultes Fachpersonal in Praxis oder Klinik und nicht routinemäßig zu Hause.

Fazit

Den eigenen Blutdruck zu messen ist unkompliziert, sobald einige Grundregeln beachtet werden: die richtige Haltung, ein passendes Gerät, ruhige Rahmenbedingungen und mehrere Messungen statt einer einzelnen Momentaufnahme. Wer die Werte über einen längeren Zeitraum dokumentiert, gewinnt ein realistisches Bild der eigenen Herz-Kreislauf-Gesundheit und kann Veränderungen frühzeitig erkennen.

Auffällige oder schwankende Werte sollten dennoch nicht allein gedeutet werden. Ergänzend zur Selbstmessung bleibt die Kontrolle in der Arztpraxis wichtig, um Werte richtig einzuordnen und bei Bedarf weitere Schritte zu besprechen.

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