Wann sollte man Blutdruck messen? Am aussagekräftigsten sind Messungen morgens und abends, jeweils zur gleichen Zeit, in Ruhe und noch bevor Medikamente eingenommen werden. Wie oft dabei gemessen werden sollte, hängt davon ab, ob bereits ein erhöhter Blutdruck bekannt ist, ob eine Behandlung gerade neu eingestellt wird oder ob es sich lediglich um eine gelegentliche Kontrolle ohne Vorgeschichte handelt. Die folgenden Abschnitte zeigen, welche Tageszeit sich eignet, welche Abstände sinnvoll sind und wie sich die Häufigkeit an die persönliche Situation anpassen lässt.
Die beste Tageszeit für die Blutdruckmessung
Der Blutdruck schwankt im Tagesverlauf, meist ist er morgens nach dem Aufstehen etwas höher und sinkt zum Abend hin wieder ab. Deshalb wird häufig empfohlen, morgens und abends zu messen, und zwar möglichst zur gleichen Uhrzeit, damit die Werte über mehrere Tage vergleichbar bleiben.
Am Morgen bietet sich die Messung an, bevor Kaffee, Frühstück oder Medikamente eingenommen wurden, aber nachdem man kurz zur Toilette gegangen ist. Am Abend eignet sich ein Zeitpunkt vor dem Abendessen oder vor der letzten Medikamenteneinnahme des Tages, ebenfalls in Ruhe.
Vor jeder Messung sollten einige Minuten Ruhe eingeplant werden:
- Etwa fünf Minuten ruhig sitzen, bevor die Manschette angelegt wird.
- Der Oberarm sollte auf Herzhöhe aufliegen, zum Beispiel auf einem Tisch.
- Während der Messung nicht sprechen und die Beine nicht überkreuzen.
- Zwei Messungen im Abstand von ein bis zwei Minuten sind üblich; beide Werte können notiert oder der Durchschnitt gebildet werden.
Diese festen Rahmenbedingungen sind wichtiger für die Aussagekraft als eine ganz bestimmte Uhrzeit. Entscheidend ist vor allem, dass die Bedingungen von Messung zu Messung möglichst gleich bleiben.
Wie oft sollte man den Blutdruck messen, wenn noch keine Diagnose vorliegt?
Wer bislang keinen bekannten Bluthochdruck hat und lediglich zur eigenen Information oder aus Neugier misst, muss den Blutdruck nicht täglich kontrollieren. Eine Messung im Rahmen der üblichen Vorsorgeuntersuchungen beim Hausarzt oder der Hausärztin reicht in diesem Fall meist aus.
Falls zu Hause ein eigenes Messgerät vorhanden ist, genügt es oft, gelegentlich zu messen, etwa alle paar Wochen oder wenn ein persönliches Interesse besteht, beispielsweise nach einer Umstellung von Ernährung oder Bewegung. Wichtig ist dabei weniger die Häufigkeit als die Sorgfalt bei der Durchführung.
Zeigt eine einzelne Messung einen auffällig hohen Wert, ist es sinnvoll, in den folgenden Tagen etwas häufiger zu messen, um zu sehen, ob es sich um eine einmalige Schwankung oder ein wiederkehrendes Muster handelt. Ein bewährtes Vorgehen ist:
- An mehreren aufeinanderfolgenden Tagen jeweils morgens und abends messen.
- Die Werte in einem Blutdruckpass oder einer einfachen Liste festhalten.
- Bei wiederholt erhöhten Werten einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen, statt die Einordnung allein vorzunehmen.
Eine dauerhafte, engmaschige Kontrolle ohne ärztlichen Anlass ist bei unauffälligen Werten nicht notwendig und kann sogar zu unnötiger Verunsicherung führen, wenn einzelne Schwankungen überinterpretiert werden.
Wie oft Blutdruck messen bei Bluthochdruck
Liegt bereits ein diagnostizierter Bluthochdruck vor, sieht die Empfehlung meist anders aus. Hier wird häufiger und regelmäßiger gemessen, vor allem in Phasen, in denen die Behandlung gerade angepasst wird, etwa nach dem Beginn eines neuen Medikaments oder einer veränderten Dosierung.
In solchen Phasen ist es üblich, über einen Zeitraum von etwa einer Woche jeden Tag morgens und abends zu messen. So lässt sich erkennen, wie der Körper auf die Veränderung reagiert, und die Ergebnisse können beim nächsten Arztbesuch besprochen werden. Wie lange diese engmaschige Phase dauert und wie die Werte konkret einzuordnen sind, sollte jedoch immer mit der behandelnden Praxis abgestimmt werden, da dies von der individuellen Erkrankung, weiteren Medikamenten und Begleiterkrankungen abhängt.
Sind die Werte über längere Zeit stabil und gut eingestellt, reicht es häufig aus, seltener zu messen, zum Beispiel an wenigen Tagen pro Woche statt täglich. Auch hier gilt: Die genaue Häufigkeit legt am besten die Ärztin oder der Arzt fest, da sie oder er die persönliche Krankengeschichte kennt.
Für die Dokumentation hat sich ein einfaches Schema bewährt:
- Datum, Uhrzeit und beide Messwerte (oberer und unterer Wert) notieren.
- Besondere Umstände vermerken, etwa Stress, Krankheit oder eine vergessene Medikamenteneinnahme.
- Die Liste zum nächsten Termin mitbringen, damit die Praxis den Verlauf über mehrere Wochen einsehen kann.
Diese Aufzeichnungen sind oft aussagekräftiger als ein einzelner Messwert in der Arztpraxis, weil sie zeigen, wie sich der Blutdruck im Alltag verhält.
Zusätzliche Anlässe: Wann eine Messung zwischendurch sinnvoll ist
Neben der festen Morgen- und Abendmessung gibt es Situationen, in denen eine zusätzliche Kontrolle sinnvoll sein kann. Dazu zählen spürbare Beschwerden wie Schwindel, ungewöhnliche Kopfschmerzen, Herzklopfen oder ein allgemeines Unwohlsein. Eine Messung kann in solchen Momenten helfen, den eigenen Zustand besser einzuschätzen, ersetzt aber keine ärztliche Abklärung, wenn die Beschwerden anhalten oder stärker werden.
Auch nach dem Beginn einer neuen medikamentösen Behandlung oder nach einer Dosisänderung ist eine zusätzliche Messung in den ersten Tagen üblich, um mögliche Auswirkungen frühzeitig zu erkennen. Wer schwanger ist oder unter bestimmten Vorerkrankungen wie Nieren- oder Herzproblemen leidet, sollte die genaue Messhäufigkeit grundsätzlich individuell mit der behandelnden Praxis abstimmen, da hier andere Maßstäbe gelten können als bei ansonsten gesunden Menschen.
Sinnvoll ist eine zusätzliche Messung außerdem:
- Vor einem anstehenden Arztbesuch, um aktuelle Werte mitzubringen.
- Nach besonders belastenden oder stressigen Ereignissen, wenn ein persönliches Interesse an der Reaktion des Körpers besteht.
- Bei Unsicherheit, ob ein zuvor gemessener auffälliger Wert bestätigt wird.
Nicht sinnvoll ist es dagegen, mehrmals täglich ohne konkreten Anlass zu messen, etwa direkt nach dem Sport oder in emotional aufgewühlten Momenten, da die Werte dann kaum mit den morgendlichen oder abendlichen Ruhewerten vergleichbar sind und leicht zu falscher Beunruhigung führen können.
Worauf vor dem Messen achten, damit der Zeitpunkt aussagekräftig ist
Der richtige Zeitpunkt allein reicht nicht aus, wenn die Umstände rund um die Messung stark schwanken. Bestimmte Faktoren können die Werte kurzfristig verändern und sollten deshalb möglichst vermieden werden, bevor gemessen wird.
Dazu zählen insbesondere:
- Koffeinhaltige Getränke oder Rauchen in der halben Stunde vor der Messung.
- Körperliche Anstrengung, etwa Treppensteigen oder Sport, kurz vor der Messung.
- Eine volle Blase, die den Wert leicht erhöhen kann.
- Gespräche oder Ablenkung während der Messung selbst.
- Kalte Räume oder ein kalter Arm, da Kälte die Gefäße verengen kann.
Wer diese Punkte möglichst konstant hält, erhält Werte, die sich über Tage und Wochen gut vergleichen lassen. Genau das ist wichtiger als eine exakte Uhrzeit, denn die Vergleichbarkeit zeigt, ob sich der Blutdruck insgesamt verändert oder stabil bleibt.
Wenn regelmäßig zur gleichen Zeit und unter ähnlichen Bedingungen gemessen wird, lassen sich auch kleinere Veränderungen im Verlauf besser einordnen, etwa nach einer Anpassung der Lebensweise oder der Medikation. Einzelne, isolierte Werte ohne diese Rahmenbedingungen sind dagegen schwerer zu deuten und sollten nicht überbewertet werden.
Fazit
Der passende Zeitpunkt für die Blutdruckmessung ist morgens und abends, in Ruhe, zur gleichen Uhrzeit und unter möglichst gleichen Bedingungen. Wie oft insgesamt gemessen wird, richtet sich danach, ob bereits ein Bluthochdruck bekannt ist, ob die Behandlung gerade angepasst wird oder ob es sich um eine gelegentliche Kontrolle ohne besonderen Anlass handelt. Bei bestehender Diagnose ist häufigeres, dokumentiertes Messen über mehrere Tage sinnvoll, während bei unauffälligen Werten seltenere Kontrollen ausreichen. In jedem Fall gilt: Bei Unsicherheiten, wiederholt erhöhten Werten oder besonderen Umständen wie Schwangerschaft oder Vorerkrankungen sollte die genaue Vorgehensweise gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt festgelegt werden.