Steht im Laborbefund, dass das Cholesterin zu hoch ist, bedeutet das zunächst nur, dass ein oder mehrere Blutfettwerte über dem üblichen Referenzbereich liegen. Cholesterin ist eine fettähnliche Substanz, die der Körper unter anderem für Zellwände und Hormone braucht und die im Blut in verschiedenen Formen transportiert wird. Welche dieser Formen betroffen ist und was das für Sie persönlich bedeutet, lässt sich nur mit Blick auf den vollständigen Befund und die individuelle gesundheitliche Situation beurteilen – idealerweise gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt.
Wie wird festgestellt, dass Cholesterin zu hoch ist?
Ob Cholesterin zu hoch ist, zeigt eine Blutuntersuchung, meist im Rahmen eines Routine-Checks oder gezielt bei Verdacht auf erhöhte Blutfettwerte. Auf dem Laborzettel taucht dabei häufig die Abkürzung „Chol." für das Gesamtcholesterin auf, ergänzt um die Werte für LDL-Cholesterin und HDL-Cholesterin sowie oft auch die Triglyceride, eine weitere Art von Blutfetten.
Damit das Ergebnis aussagekräftig ist, wird häufig ein nüchterner Bluttest empfohlen, also eine Blutabnahme nach einer gewissen Zeit ohne Nahrungsaufnahme. Wie genau die Vorbereitung aussehen sollte und wann ein Test sinnvoll ist, klärt am besten die behandelnde Praxis, da dies je nach Fragestellung variieren kann.
Wichtig zu verstehen: Es gibt nicht die eine feste Zahl, ab der Cholesterin „zu hoch" ist. Die Grenzwerte, die als Orientierung dienen, hängen unter anderem von folgenden Faktoren ab:
- Alter und Geschlecht
- bestehenden Vorerkrankungen, etwa an Herz oder Gefäßen
- weiteren Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Rauchen
- familiärer Vorbelastung
Deshalb bewertet eine Ärztin oder ein Arzt den Cholesterinwert nie isoliert, sondern immer im Zusammenhang mit dem gesamten Risikoprofil einer Person. Ein Wert, der bei einer Person unauffällig ist, kann bei einer anderen bereits als erhöht gelten.
Gutes und schlechtes Cholesterin: Was bedeutet ein auffälliger Wert?
Im Blut wird Cholesterin nicht frei transportiert, sondern gebunden an Eiweißmoleküle, sogenannte Lipoproteine. Zwei davon sind für die Bewertung besonders wichtig: LDL und HDL. Sie werden umgangssprachlich oft als „schlechtes" und „gutes" Cholesterin bezeichnet, auch wenn diese Einteilung eine starke Vereinfachung ist.
Das LDL-Cholesterin transportiert Cholesterin von der Leber zu den Zellen im Körper. Ist die schlechte Cholesterin zu hoch, kann sich das langfristig ungünstig auf die Gefäße auswirken, weshalb LDL bei der Risikoeinschätzung meist im Mittelpunkt steht. Ein erhöhter LDL-Wert ist deshalb der Wert, auf den sich viele Empfehlungen zur Lebensstiländerung und, falls nötig, zu einer medikamentösen Behandlung beziehen.
Das HDL-Cholesterin transportiert Cholesterin dagegen zurück zur Leber, wo es abgebaut werden kann. Ein ausreichend hoher HDL-Wert gilt daher grundsätzlich als günstig. Wenn Patientinnen und Patienten im Befund lesen, dass die gute Cholesterin zu hoch ist, also der HDL-Wert deutlich über dem üblichen Bereich liegt, ist das in der Regel kein Grund zur Beunruhigung – ein sehr hohes HDL wird längst nicht so kritisch eingeordnet wie ein sehr hohes LDL. Dennoch sollte auch ein auffällig hoher HDL-Wert der Ärztin oder dem Arzt genannt werden, da in seltenen Fällen andere Ursachen dahinterstecken können und die Einordnung immer im Gesamtbild erfolgen sollte.
Ein weiterer Aspekt betrifft die Frage, wie Cholesterin zu hoch überhaupt zustande kommt, wenn nur der Gesamtwert auffällig ist. Der Gesamtcholesterinwert ist im Grunde die Summe aus LDL, HDL und einem Anteil der Triglyceride. Das heißt: Ein hoher Gesamtwert kann sowohl durch ein hohes LDL als auch durch ein hohes HDL entstehen – und diese beiden Situationen sollten unterschiedlich bewertet werden. Deshalb lohnt sich immer der Blick auf die Einzelwerte und nicht nur auf die eine Zahl beim Gesamtcholesterin.
Welche Ursachen stecken hinter erhöhten Werten?
Hinter zu hohem Cholesterin können verschiedene Faktoren stehen, oft in Kombination. Dazu zählen unter anderem eine Ernährung mit vielen gesättigten Fetten, Bewegungsmangel, Übergewicht, ein erhöhter Alkoholkonsum sowie das Rauchen. Auch genetische Veranlagung spielt eine Rolle: Bei manchen Menschen sind die Werte familiär bedingt erhöht, unabhängig vom Lebensstil.
Daneben können bestimmte Erkrankungen und Medikamente den Cholesterinspiegel beeinflussen, etwa Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes, Nieren- oder Lebererkrankungen. Auch das Alter spielt eine Rolle, da sich der Stoffwechsel im Laufe des Lebens verändert. Wer wissen möchte, welche dieser Ursachen im eigenen Fall zutreffen könnte, sollte das mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen, da sich daraus unterschiedliche nächste Schritte ergeben können.
Was können Sie selbst tun, wenn die Werte zu hoch sind?
Bei vielen Menschen sind Anpassungen im Alltag der erste sinnvolle Schritt, bevor über weitere Maßnahmen gesprochen wird. Diese Veränderungen wirken sich häufig nicht nur auf die Cholesterinwerte, sondern auch auf das allgemeine Wohlbefinden aus.
- Ernährung anpassen: Weniger gesättigte Fette aus fettreichen tierischen Produkten, mehr ungesättigte Fette aus pflanzlichen Ölen, Nüssen und Fisch sowie mehr Ballaststoffe aus Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Obst und Gemüse.
- Regelmäßige Bewegung: Ausdaueraktivitäten wie zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen werden häufig als hilfreich beschrieben, um die Blutfettwerte günstig zu beeinflussen.
- Gewicht im Blick behalten: Wo Übergewicht vorliegt, kann eine schrittweise Gewichtsreduktion die Werte verbessern.
- Alkohol reduzieren und Rauchen vermeiden: Beides kann sich ungünstig auf Blutfette und Gefäße auswirken.
- Stress und Schlaf beachten: Ein ausgeglichener Alltag und ausreichend Schlaf unterstützen den Stoffwechsel allgemein.
Wichtig ist, solche Veränderungen nicht als kurzfristige Diät, sondern als dauerhafte Umstellung zu verstehen. Häufig zeigen sich Verbesserungen erst nach mehreren Wochen bis Monaten, weshalb eine gewisse Geduld gefragt ist. Eine Kontrolle der Werte nach einiger Zeit zeigt, ob die Maßnahmen greifen oder ob weitere Schritte nötig sind.
Bei bestehenden Erkrankungen, in der Schwangerschaft oder bei der Einnahme von Medikamenten sollten Ernährungs- oder Bewegungsumstellungen vorher mit einer Ärztin oder einem Arzt abgestimmt werden, da individuelle Einschränkungen gelten können.
Wann ist eine ärztliche Behandlung notwendig?
Ob Lebensstiländerungen ausreichen oder eine medikamentöse Behandlung sinnvoll ist, hängt vom Gesamtrisiko ab, nicht allein von der Höhe des Cholesterinwerts. Eine Ärztin oder ein Arzt berücksichtigt dabei zum Beispiel Alter, bestehende Gefäßerkrankungen, Blutdruck, Blutzucker sowie familiäre Vorbelastung.
In manchen Fällen wird nach einer Phase mit angepasster Ernährung und mehr Bewegung ein erneuter Bluttest vorgeschlagen, um zu sehen, wie sich die Werte entwickelt haben. Reicht das allein nicht aus oder liegt ein deutlich erhöhtes Risiko vor, kann eine medikamentöse Behandlung in Betracht gezogen werden. Welches Medikament, in welcher Form und über welchen Zeitraum infrage kommt, ist eine individuelle ärztliche Entscheidung, die sich nicht pauschal beantworten lässt.
Wenden Sie sich insbesondere dann an eine Ärztin oder einen Arzt, wenn:
- die Werte deutlich über dem für Sie geltenden Referenzbereich liegen,
- bereits eine Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Diabetes bekannt ist,
- in der Familie frühzeitig Herzinfarkte oder Schlaganfälle aufgetreten sind,
- Sie schwanger sind oder eine Schwangerschaft planen,
- Sie bereits Medikamente einnehmen, die mit dem Fettstoffwechsel in Wechselwirkung treten könnten.
In diesen Situationen ist eine individuelle Beurteilung wichtig, da allgemeine Empfehlungen hier nicht ausreichen und eine persönliche Abwägung durch Fachpersonal nötig ist.
Fazit
Ein zu hoher Cholesterinwert ist zunächst ein Befund, der genauer eingeordnet werden muss – wichtig ist dabei, ob vor allem das LDL, das HDL oder beides betroffen ist. Während ein erhöhtes LDL meist ernster genommen wird, gilt ein hohes HDL in der Regel als weniger kritisch, sollte aber ebenfalls besprochen werden. Mit Anpassungen bei Ernährung, Bewegung und weiteren Lebensgewohnheiten lässt sich bei vielen Menschen bereits viel erreichen; ob darüber hinaus eine medikamentöse Behandlung sinnvoll ist, entscheidet sich immer im persönlichen Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt.
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