Ein Mangel an Vitamin-D wird nicht anhand von Beschwerden allein festgestellt, sondern durch eine Blutuntersuchung, die den Spiegel des Speicherstoffs 25-Hydroxyvitamin-D misst. Ist der Wert zu niedrig, lässt sich der Mangel an Vitamin D in der Regel durch mehr Sonnenlicht, eine angepasste Ernährung und – falls nötig – ein Präparat wieder ausgleichen. Welche typischen Anzeichen auf einen Vitamin-D-Mangel hindeuten, ist Thema eines anderen Beitrags; hier geht es darum, wie der Mangel zuverlässig erkannt und Schritt für Schritt behoben wird.
Wie wird ein Vitamin-D-Mangel festgestellt?
Symptome allein reichen nicht aus, um einen Vitamin-D-Mangel sicher zu diagnostizieren, da sie oft unspezifisch sind und viele andere Ursachen haben können. Zuverlässig zeigt sich ein Mangel an Vitamin D erst im Blut, genauer am Wert des sogenannten 25-Hydroxyvitamin-D (kurz 25-OH-Vitamin-D). Dieser Wert spiegelt wider, wie viel Vitamin D der Körper über Sonnenlicht, Ernährung und gegebenenfalls Nahrungsergänzung in den vergangenen Wochen aufgenommen und gespeichert hat.
Für die Bestimmung wird eine Blutprobe in einem Labor untersucht. Die hausärztliche Praxis kann diesen Test veranlassen, wenn ein begründeter Verdacht auf einen Vitamin-D-Mangel besteht oder eine bestimmte Risikokonstellation vorliegt. Ohne konkreten Anlass ist ein routinemäßiges Screening bei gesunden Erwachsenen in der Regel nicht vorgesehen, da der Nutzen einer flächendeckenden Testung als gering eingeschätzt wird.
In Laborberichten wird der Wert meist in nmol/l oder ng/ml angegeben, wobei sich Ärztinnen und Ärzte grob an Kategorien wie "ausreichend", "unzureichend" und "deutlich erniedrigt" orientieren. Wo genau die Grenzen liegen und ob ein gemessener Wert im individuellen Fall behandelt werden sollte, hängt von mehreren Faktoren ab – etwa vom Alter, von bestehenden Erkrankungen, von der Jahreszeit der Blutentnahme und von eingenommenen Medikamenten. Die Einordnung des Ergebnisses sollte deshalb stets einer medizinischen Fachperson überlassen werden und nicht allein anhand von Tabellen aus dem Internet erfolgen.
Wichtig ist außerdem, dass ein einzelner Messwert nur eine Momentaufnahme ist. Der Vitamin-D-Spiegel schwankt im Jahresverlauf, weil die körpereigene Bildung über die Haut stark von der Sonneneinstrahlung abhängt. Ein im Winter gemessener niedriger Wert muss deshalb nicht automatisch bedeuten, dass im Sommer dieselbe Situation besteht.
Wer sollte den Vitamin-D-Spiegel überprüfen lassen?
Nicht jeder Mensch benötigt regelmäßig einen Bluttest auf Vitamin D. Es gibt jedoch Gruppen, bei denen ein Mangel an Vitamin D häufiger vorkommt und ein Test daher sinnvoll sein kann, wenn ärztlich ein entsprechender Anlass gesehen wird.
- Ältere Menschen, insbesondere wenn sie das Haus selten verlassen oder in Pflegeeinrichtungen leben
- Menschen mit sehr dunkler Hautpigmentierung, da die körpereigene Vitamin-D-Bildung über die Haut hier langsamer verläuft
- Personen, die aus religiösen, kulturellen oder gesundheitlichen Gründen ihre Haut kaum der Sonne aussetzen
- Menschen mit chronischen Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, der Leber oder der Nieren, die die Aufnahme oder Umwandlung von Vitamin D beeinträchtigen können
- Schwangere und stillende Personen, bei denen der Bedarf ärztlich individuell beurteilt werden sollte
- Menschen mit starkem Übergewicht, da Vitamin D im Fettgewebe gebunden werden kann
Auch die Jahreszeit spielt eine Rolle: In den Monaten mit wenig Sonneneinstrahlung ist die körpereigene Bildung über die Haut in vielen Regionen kaum ausreichend, sodass ein Mangel vitamin D in dieser Zeit wahrscheinlicher wird als in den Sommermonaten. Wer zu einer dieser Gruppen gehört oder wiederkehrende, unklare Beschwerden hat, sollte das Thema in einem ärztlichen Gespräch ansprechen, statt den Wert auf eigene Faust zu vermuten oder ungeprüft ein Präparat einzunehmen.
Für die breite Bevölkerung ohne besondere Risikofaktoren gilt: Eine ausgewogene Zeit im Freien und eine abwechslungsreiche Ernährung reichen in vielen Fällen aus, um den Spiegel in einem angemessenen Bereich zu halten. Ein Test ist dann meist nur erforderlich, wenn ein konkreter medizinischer Verdacht besteht.
Wie lässt sich ein Mangel an Vitamin D beheben?
Wurde ein Mangel an Vitamin D ärztlich festgestellt, gibt es grundsätzlich drei Ansatzpunkte, die je nach Ausgangslage einzeln oder kombiniert zum Einsatz kommen: Sonnenlicht, Ernährung und Nahrungsergänzung. Welche Kombination sinnvoll ist, sollte im Einzelfall mit einer ärztlichen Fachperson abgestimmt werden, da die passende Vorgehensweise vom Ausmaß des Mangels und von individuellen Umständen abhängt.
Der Körper bildet den größten Teil seines Vitamin D selbst, wenn UV-B-Strahlung auf unbedeckte Haut trifft. Regelmäßige Aufenthalte im Freien, bei denen Gesicht, Arme oder Hände unbedeckt der Sonne ausgesetzt sind, unterstützen diese körpereigene Produktion. Wie viel Zeit dafür nötig ist, hängt stark vom Hautfarbstoff, der geografischen Lage, der Jahreszeit und der Tageszeit ab, weshalb sich keine allgemeingültige Zeitangabe machen lässt. Sonnenschutz und die Vermeidung von Sonnenbrand haben in jedem Fall Vorrang vor der Vitamin-D-Bildung.
Über die Nahrung lässt sich nur ein vergleichsweise kleiner Teil des Bedarfs decken, da nur wenige Lebensmittel nennenswerte Mengen an Vitamin D enthalten. Dazu zählen vor allem:
- fettreiche Fischsorten wie Lachs, Hering oder Makrele
- Eigelb
- bestimmte Pilzsorten
- mit Vitamin D angereicherte Lebensmittel, etwa manche Margarinen oder pflanzliche Milchalternativen
Für Menschen, die kaum Sonne abbekommen oder deren Ernährung diese Lebensmittel selten enthält, kann ein Präparat sinnvoll sein, um den Mangel an Vitamin D auszugleichen. Ob, in welcher Form und in welcher Menge ein Präparat angezeigt ist, sollte jedoch immer ärztlich beurteilt werden – insbesondere weil der tatsächliche Bedarf je nach Ausgangswert, Alter, Körpergewicht und Begleiterkrankungen stark variiert.
Worauf sollte man bei Vitamin-D-Präparaten achten?
Vitamin-D-Präparate sind frei verkäuflich in unterschiedlichen Darreichungsformen erhältlich, etwa als Tropfen, Kapseln oder Tabletten. Am häufigsten enthalten sie die Form Cholecalciferol (Vitamin D3), die pflanzliche Form Ergocalciferol (Vitamin D2) ist ebenfalls gebräuchlich. Für die meisten Anwendungsfälle wird D3 als besser untersucht angesehen, die konkrete Wahl sollte aber im Zweifel mit einer ärztlichen oder pharmazeutischen Fachperson besprochen werden.
Vitamin D gehört zu den fettlöslichen Vitaminen und wird im Körperfett und in der Leber gespeichert. Das unterscheidet es von wasserlöslichen Vitaminen, die bei einer Überdosierung meist einfach ausgeschieden werden. Eine dauerhaft zu hohe Zufuhr über Präparate kann sich deshalb im Körper anreichern, weshalb Präparate mit hoher Dosierung nicht ohne ärztliche Abklärung und Kontrolle über längere Zeit eingenommen werden sollten.
Besondere Vorsicht und in jedem Fall eine individuelle ärztliche Einschätzung sind erforderlich bei:
- Nierenerkrankungen, da diese den Vitamin-D-Stoffwechsel beeinflussen
- Erkrankungen, die den Calciumstoffwechsel betreffen
- der Einnahme bestimmter Medikamente, etwa gegen Epilepsie oder mit Wirkung auf den Fettstoffwechsel
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Säuglingen, Kindern und Jugendlichen, deren Bedarf altersabhängig anders bemessen wird als bei Erwachsenen
In all diesen Situationen sollte die Einnahme eines Präparats, seine Dosierung und die Dauer der Anwendung nicht eigenständig festgelegt, sondern gemeinsam mit einer medizinischen Fachperson besprochen werden. Das gilt auch dann, wenn ein Präparat frei verkäuflich ist, denn frei erhältlich bedeutet nicht automatisch, dass jede Dosierung für jede Person gleich geeignet ist.
Wie lange dauert die Behebung und wie wird der Erfolg überprüft?
Ein Mangel an Vitamin D baut sich nicht von einem Tag auf den anderen wieder auf, sondern verändert sich über Wochen und Monate, da der Körper den Speicherwert im Blut nur schrittweise anhebt. Wie lange dieser Prozess dauert, hängt vom Ausgangswert, von der gewählten Vorgehensweise und von individuellen Faktoren wie Alter oder Stoffwechsel ab – eine allgemeingültige Zeitangabe lässt sich daher nicht seriös machen.
Üblich ist, dass nach einer gewissen Zeit der Einnahme oder der veränderten Lebensgewohnheiten eine erneute Blutuntersuchung erfolgt, um zu prüfen, ob sich der 25-OH-Vitamin-D-Wert wie erwartet entwickelt hat. Diese Kontrolle hilft auch dabei, eine Über- oder Unterdosierung frühzeitig zu erkennen und die weitere Vorgehensweise gegebenenfalls anzupassen. Der Zeitpunkt für diese Kontrolle sollte ärztlich festgelegt werden, da er von der jeweiligen Behandlung abhängt.
Nach einer erfolgreichen Behebung des Mangels ist es sinnvoll, langfristig auf ausreichende Aufenthalte im Freien und eine abwechslungsreiche Ernährung zu achten, damit der Wert stabil bleibt. Bei Menschen, die zu einer der genannten Risikogruppen gehören, kann eine dauerhafte, niedrig dosierte Einnahme eines Präparats in Betracht kommen – auch das ist jedoch eine Entscheidung, die individuell und ärztlich getroffen werden sollte, nicht pauschal für jede Person.
Wer bereits einmal einen ausgeprägten Mangel an Vitamin D hatte, profitiert häufig davon, den Spiegel in den folgenden Jahren gelegentlich erneut kontrollieren zu lassen, insbesondere wenn sich Lebensumstände wie Wohnort, Ernährung oder Gesundheitszustand ändern. So lässt sich frühzeitig erkennen, ob erneut Handlungsbedarf besteht, bevor sich der Wert stark verschlechtert.
Fazit
Ein Mangel an Vitamin D wird zuverlässig über eine Blutuntersuchung erkannt und lässt sich in den meisten Fällen durch eine Kombination aus Sonnenlicht, angepasster Ernährung und, wenn ärztlich angezeigt, einem Präparat schrittweise ausgleichen. Entscheidend ist dabei, die Diagnose, die Dosierung und die Kontrolle nicht auf eigene Faust vorzunehmen, sondern sich an medizinisches Fachpersonal zu wenden – vor allem bei bestehenden Erkrankungen, in der Schwangerschaft oder bei Kindern. So lässt sich der Vitamin-D-Spiegel sicher und nachhaltig wieder in einen angemessenen Bereich bringen.
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