Blutdruck

Blutdruck mit Stethoskop richtig messen

Blutdruck mit Stethoskop messen: So funktioniert die klassische auskultatorische Methode – Ablauf, Ausrüstung und wichtige Grenzen im Überblick.

Blutdruck mit Stethoskop richtig messen

Beim Blutdruck mit Stethoskop messen hört man mit einem Hörrohr die sogenannten Korotkow-Töne über der Armarterie ab, während eine Manschette langsam entlüftet wird – so lassen sich der obere und der untere Blutdruckwert bestimmen. Diese auskultatorische Methode gilt als klassisches Referenzverfahren und wird vor allem in Arztpraxen, Kliniken und in der Ausbildung von medizinischem Fachpersonal eingesetzt. Der folgende Text erklärt genau diesen Ablauf im Detail, während einen Überblick über alle gängigen Messmethoden der Pillar-Artikel dieses Portals bietet.

Was beim Messen mit Stethoskop passiert: Systole und Diastole erklärt

Um die Messung zu verstehen, hilft ein Blick auf das, was während des Aufpumpens und Ablassens der Manschette in der Arterie geschieht. Zunächst wird die Manschette so weit aufgepumpt, dass der Druck darin höher ist als der Druck in der Arterie – der Blutfluss wird dadurch kurzzeitig vollständig unterbrochen. Wird die Manschette anschließend langsam entlüftet, beginnt das Blut wieder stoßweise durch das verengte Gefäß zu fließen, sobald der Manschettendruck knapp unter den arteriellen Druck fällt.

Genau in diesem Moment entstehen hörbare, klopfende Geräusche, die als Korotkow-Töne bezeichnet werden. Das erste dieser Geräusche markiert den systolischen Wert (die Systole), also den Druck, der entsteht, wenn das Herz Blut in die Arterien auswirft. Werden die Töne beim weiteren Ablassen der Manschette zunächst lauter und verschwinden dann vollständig, markiert dieser Punkt den diastolischen Wert (die Diastole) – den Druck, der herrscht, während sich der Herzmuskel zwischen zwei Schlägen entspannt.

Beide Werte werden in Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) angegeben und als Bruch notiert, etwa 120/80 mmHg, wobei die erste Zahl den systolischen und die zweite den diastolischen Wert bezeichnet. Diese kurze Erklärung zum Zustandekommen der beiden Zahlen ist die Grundlage dafür, die Methode überhaupt sinnvoll anwenden zu können, denn ohne das richtige Erkennen von erstem und letztem Ton lässt sich keine verlässliche Ablesung durchführen.

Wichtig ist dabei: Die exakte Einordnung eines gemessenen Wertes – ob er im üblichen Bereich liegt oder abgeklärt werden sollte – ist immer eine ärztliche Aufgabe. Dieser Text beschränkt sich bewusst auf die Technik der Messung selbst.

Ausrüstung und Ablauf: So wird der Blutdruck mit Stethoskop gemessen

Für die auskultatorische Messung werden zwei Geräte gleichzeitig benötigt: ein manuelles Blutdruckmessgerät (Sphygmomanometer) mit aufblasbarer Manschette, Handpumpe und Anzeige – entweder mit Zeigerinstrument oder, historisch, mit Quecksilbersäule – sowie ein Stethoskop, mit dem die Strömungsgeräusche über der Armarterie abgehört werden. Entscheidend für ein zuverlässiges Ergebnis ist eine passende Manschettengröße, da eine zu kleine oder zu große Manschette die Werte spürbar verfälschen kann.

Ein typischer Ablauf sieht folgendermaßen aus:

  • Die messende Person sitzt einige Minuten ruhig, der Arm liegt entspannt und etwa auf Herzhöhe auf.
  • Die Manschette wird faltenfrei am Oberarm angelegt, etwa zwei bis drei Zentimeter oberhalb der Armbeuge.
  • Mit den Fingern wird kurz der Puls in der Armbeuge ertastet, um die richtige Stelle für das Stethoskop zu finden.
  • Die Manschette wird zügig etwa 20 bis 30 mmHg über den erwarteten systolischen Wert aufgepumpt.
  • Anschließend wird das Ventil langsam geöffnet, sodass der Druck gleichmäßig, etwa um zwei bis drei mmHg pro Sekunde, abfällt.
  • Der Wert bei Auftreten des ersten Klopftons wird als systolischer Wert notiert, der Wert beim endgültigen Verschwinden der Töne als diastolischer Wert.

Diese Technik klingt einfach, verlangt in der Praxis aber Übung: Ein geschultes Ohr, eine ruhige Umgebung und ein gleichmäßiges Ablassen des Drucks sind notwendig, um die Töne nicht zu überhören oder falsch zuzuordnen. Aus diesem Grund wird die Methode meist von medizinischem Fachpersonal angewendet oder im Rahmen einer Schulung erlernt, bevor sie eigenständig genutzt wird. Wer sich unsicher ist, ob die eigene Messtechnik zuverlässige Werte liefert, sollte die Anwendung von einer Ärztin, einem Arzt oder geschultem Pflegepersonal zeigen lassen, statt sich allein auf eigene Einschätzungen zu verlassen.

Blutdruckmessung an Bein und Unterschenkel

Neben der üblichen Messung am Oberarm kann der Blutdruck in bestimmten Situationen auch an den Beinen bestimmt werden. Diese Vorgehensweise ist keine Routinemessung für zu Hause, sondern wird von medizinischem Fachpersonal eingesetzt, etwa um die Durchblutung der Beine zu beurteilen oder Armwerte mit Beinwerten zu vergleichen.

Bei der Messung am Unterschenkel wird die Manschette meist um die Wade gelegt, während das Stethoskop über einer gut zugänglichen Arterie im Bereich des Fußes oder der Kniekehle positioniert wird. Da die Gefäße dort tiefer liegen und von mehr Gewebe umgeben sind, sind die Korotkow-Töne oft leiser und schwerer zu hören als am Arm. In der klinischen Praxis wird deshalb häufig zusätzlich ein kleines Ultraschall- beziehungsweise Doppler-Gerät verwendet, um den Blutfluss zuverlässiger zu erfassen, wenn die reine Abhörmethode an ihre Grenzen stößt.

Ein Vergleich der Druckwerte an Arm und Bein spielt vor allem dann eine Rolle, wenn Hinweise auf eine eingeschränkte Durchblutung in den Beinarterien bestehen. Ein solcher Seitenvergleich – oft als Knöchel-Arm-Index bezeichnet – wird von Ärztinnen und Ärzten interpretiert und ist kein Verfahren, das Laien zur Selbstdiagnose anwenden sollten. Wer Beschwerden wie kalte Füße, Schmerzen beim Gehen oder unklare Druckunterschiede zwischen Armen und Beinen bemerkt, sollte dies grundsätzlich ärztlich abklären lassen, anstatt die Werte selbst zu deuten.

Auch technisch gilt: Die Ausgangswerte an den Beinen unterscheiden sich normalerweise von denen am Arm, allein schon aufgrund der unterschiedlichen Position relativ zum Herzen und der Gefäßanatomie. Ein direkter Vergleich der reinen Zahlen ohne fachliche Einordnung führt deshalb leicht zu falschen Schlussfolgerungen. Diese Form der Messung bleibt also ein Werkzeug für die medizinische Untersuchung, nicht für die eigenständige Kontrolle im Alltag.

Grenzen der Methode: Wann kontinuierliche Messung sinnvoller ist

Die auskultatorische Messung mit Stethoskop liefert immer nur eine Momentaufnahme: einen einzelnen Wertepaar-Ablesung zu einem bestimmten Zeitpunkt. Das ist für viele Fragestellungen ausreichend, stößt aber an Grenzen, wenn der Blutdruck über einen längeren Zeitraum oder unter Alltagsbedingungen beobachtet werden soll. Zudem setzt die Methode ein geschultes Gehör, eine ruhige Umgebung und geübte Handgriffe voraus – in lauten Räumen oder bei sehr leisen Tönen kann es leicht zu Fehleinschätzungen kommen.

Auch bestimmte individuelle Voraussetzungen erschweren die Auswertung. Bei unregelmäßigem Herzschlag etwa können die Korotkow-Töne unregelmäßig oder undeutlich auftreten, was die Bestimmung von systolischem und diastolischem Wert erschwert. Wer eine bekannte Herzrhythmusstörung, eine Schwangerschaft oder eine Erkrankung hat, die den Blutdruck beeinflusst, sollte die für die eigene Situation geeignete Messmethode grundsätzlich mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen, statt sich allein auf eine einmalige manuelle Messung zu verlassen.

Für Situationen, in denen der Blutdruck über Stunden oder sogar über einen ganzen Tag beobachtet werden soll, kommen andere Verfahren zum Einsatz. Wird der Blutdruck kontinuierlich gemessen, geschieht dies meist über automatische, oszillometrische Geräte, die in festen Zeitabständen selbstständig aufpumpen und die Werte speichern – etwa bei einer sogenannten Langzeitblutdruckmessung über 24 Stunden. In intensivmedizinischen Situationen wird teilweise sogar eine direkte, kontinuierliche Messung über einen dünnen Katheter in einer Arterie eingesetzt, die den Druck in Echtzeit anzeigt, ohne dass eine Manschette aufgepumpt werden muss.

Diese kontinuierlichen oder automatisierten Verfahren ersetzen die Stethoskop-Methode im Alltag zunehmend, weil sie weniger Übung erfordern und über längere Zeiträume hinweg mehr Informationen liefern. Die auskultatorische Messung bleibt jedoch weiterhin wichtig, unter anderem weil automatische Geräte regelmäßig anhand dieser klassischen Methode auf ihre Genauigkeit überprüft werden. Wer selbst ein automatisches Gerät zu Hause nutzt, profitiert also indirekt von der Zuverlässigkeit, die durch den Vergleich mit der manuellen Messung sichergestellt wird.

Fazit

Die Messung mit Manschette und Stethoskop bleibt ein bewährtes, aber anspruchsvolles Verfahren: Sie beruht auf dem genauen Erkennen von Korotkow-Tönen, verlangt Übung und eine ruhige Umgebung und wird deshalb überwiegend von geschultem Fachpersonal angewendet. Für spezielle Fragestellungen wie die Messung an Bein oder Unterschenkel oder für eine kontinuierliche Beobachtung über längere Zeiträume kommen ergänzend andere Techniken zum Einsatz, die jeweils von medizinischem Fachpersonal ausgewählt und interpretiert werden sollten. Wer eigene Messwerte einordnen möchte oder Auffälligkeiten bemerkt, sollte sich in jedem Fall an eine Ärztin oder einen Arzt wenden, statt sich allein auf technische Details der Messmethode zu verlassen.

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