Wer den Blutdruck mehrmals hintereinander misst, erhält in aller Regel ein zuverlässigeres Bild als bei einer einzigen Messung, weil Aufregung, Bewegung oder eine ungünstige Sitzposition einzelne Werte leicht verfälschen können. Die grundlegenden Messmethoden werden an anderer Stelle ausführlich behandelt – hier geht es konkret darum, wie und wie oft man hintereinander misst, um ein aussagekräftiges Ergebnis zu bekommen.
Warum eine einzelne Messung oft täuscht
Der Blutdruck ist keine feste Zahl, sondern schwankt im Laufe des Tages und sogar von Minute zu Minute. Er reagiert auf Stress, Sprechen, volle Blase, Kälte, körperliche Anstrengung kurz zuvor oder auch nur darauf, wie ruhig jemand in dem Moment sitzt. Eine einzelne Messung fängt also nur eine Momentaufnahme ein, die nicht unbedingt den „normalen" Zustand widerspiegelt.
Besonders bekannt ist der sogenannte Praxis- oder Weißkitteleffekt: Viele Menschen zeigen in der Arztpraxis höhere Werte als zu Hause, weil allein die ungewohnte Situation den Blutdruck vorübergehend ansteigen lässt. Aber auch beim Selbstmessen zu Hause kann der erste Wert nach dem Hinsetzen noch erhöht sein, einfach weil sich der Körper erst auf die Ruhesituation einstellen muss.
Hinzu kommt, dass technische Faktoren die erste Messung stärker beeinflussen können als spätere: Eine Manschette, die noch nicht optimal sitzt, ein Arm, der sich beim ersten Anlegen noch verspannt anfühlt, oder eine unbewusst angespannte Muskulatur können den Wert nach oben verschieben. Wird direkt danach noch einmal gemessen, sinkt der Wert häufig bereits ein Stück ab, weil sich Körper und Kreislauf an die Situation gewöhnt haben.
Aus diesen Gründen empfehlen viele Fachinformationen zur Blutdruckmessung, sich nicht auf einen einzigen Wert zu verlassen, sondern den Blutdruck grundsätzlich mehrmals hintereinander zu messen. So lassen sich Ausreißer erkennen, die durch äußere Einflüsse entstanden sind, statt sie fälschlich als tatsächlichen Blutdruckwert zu interpretieren.
Zweimal oder dreimal messen – was ist üblich?
In der Praxis hat sich eingebürgert, den Blutdruck entweder zweimal oder dreimal hintereinander zu messen, je nachdem, in welcher Situation gemessen wird. Wer den Blutdruck zweimal hintereinander misst, bekommt bereits einen ersten Eindruck davon, ob der erste Wert eher zufällig erhöht war oder ob sich ein ähnliches Ergebnis wiederholt. Das reicht für viele Alltagssituationen zu Hause aus, etwa bei der regelmäßigen Kontrolle ohne besonderen Anlass.
Wird der Blutdruck zweimal hintereinander gemessen und liegen beide Werte nah beieinander, gilt das Ergebnis meist als ausreichend verlässlich. Weichen die beiden Messungen dagegen deutlich voneinander ab, ist es sinnvoll, eine dritte Messung anzuschließen, um ein klareres Bild zu bekommen. Genau das ist der Grund, warum in vielen Anleitungen empfohlen wird, den Blutdruck 3 Mal hintereinander zu messen, wenn die ersten beiden Werte stark schwanken oder wenn eine Erstmessung – etwa bei einem neu angeschafften Gerät oder bei ungewöhnlich hohen Werten – besonders sorgfältig dokumentiert werden soll.
Für die Selbstkontrolle zu Hause bedeutet das konkret:
- Wird der Blutdruck 2 Mal hintereinander gemessen, genügt das oft für die tägliche Routinekontrolle.
- Bei größeren Unterschieden zwischen den beiden Werten oder bei erstmalig auffälligen Ergebnissen wird üblicherweise eine dritte Messung ergänzt.
- Wer regelmäßig ein Blutdruckprotokoll führt, misst häufig grundsätzlich dreimal hintereinander, um über die Zeit vergleichbare, stabile Werte zu erhalten.
Wichtig ist dabei: Es geht nicht darum, so lange zu messen, bis ein möglichst niedriger Wert erscheint. Ziel der Mehrfachmessung ist ein realistisches, nicht ein besonders günstiges Ergebnis. Deshalb sollte die Anzahl der Messungen vorher feststehen und nicht danach ausgewählt werden, welcher Wert gerade am besten passt.
So läuft eine Mehrfachmessung richtig ab
Damit mehrere Messungen hintereinander tatsächlich vergleichbare und aussagekräftige Werte liefern, kommt es auf die Rahmenbedingungen an. Vor der ersten Messung sollte man einige Minuten ruhig sitzen, ohne vorher gesprochen, geraucht, Kaffee getrunken oder sich körperlich angestrengt zu haben, da all das den Blutdruck kurzfristig verändern kann.
Für die Messung selbst gilt:
- Ruhig und aufrecht sitzen, Rücken angelehnt, Beine nicht überkreuzt, Füße flach auf dem Boden.
- Der Arm mit der Manschette liegt entspannt auf einer Unterlage, etwa auf Herzhöhe.
- Während der Messung nicht sprechen und möglichst still halten.
- Die Manschette wird am besten immer am selben Arm angelegt, sofern kein medizinischer Grund dagegenspricht.
Zwischen den einzelnen Messungen sollte eine kurze Pause liegen, meist wird ein Abstand von etwa ein bis zwei Minuten empfohlen. In dieser Zeit bleibt die Manschette in der Regel locker am Arm, wird aber vollständig entlüftet, damit sich der Kreislauf kurz erholen kann, bevor der nächste Messvorgang beginnt. Direkt hintereinander ohne jede Pause zu messen, kann die Werte verfälschen, weil der Stau in der Manschette den Blutfluss im Arm kurzfristig beeinflusst.
Sinnvoll ist außerdem, die Messungen möglichst zur gleichen Tageszeit und unter ähnlichen Bedingungen durchzuführen, etwa immer morgens vor dem Frühstück oder abends vor dem Zubettgehen. So werden nicht nur die einzelnen Messungen innerhalb einer Sitzung vergleichbar, sondern auch die Werte verschiedener Tage lassen sich später besser gegenüberstellen. Wer ein digitales Blutdruckmessgerät mit Speicherfunktion nutzt, kann die einzelnen Werte zudem automatisch dokumentieren lassen, statt sie von Hand zu notieren.
Welchen Wert sollte man festhalten?
Nach mehreren Messungen stellt sich die Frage, welcher Wert am Ende zählt. Eine verbreitete und einfache Herangehensweise besteht darin, alle gemessenen Werte zu notieren und nicht nur den zuletzt gemessenen zu betrachten. So lässt sich im Nachhinein nachvollziehen, wie stark die Werte innerhalb der Messreihe geschwankt haben.
Häufig wird empfohlen, den ersten Wert eher als groben Anhaltspunkt zu betrachten und für die eigentliche Beurteilung den Durchschnitt der zweiten und dritten Messung heranzuziehen, da diese meist stabiler ausfallen. Wer den Blutdruck lediglich zweimal hintereinander misst, kann beide Werte notieren und bei größerer Abweichung eine dritte Messung ergänzen, statt sich vorschnell auf einen einzelnen Wert festzulegen.
Für die Dokumentation, etwa in einem Blutdruckpass oder einer entsprechenden App, ist es sinnvoll, neben dem errechneten Durchschnittswert auch die einzelnen Messwerte sowie Datum und Uhrzeit festzuhalten. Das erleichtert es später, gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt einzuschätzen, ob es sich um eine einmalige Schwankung oder um ein wiederkehrendes Muster handelt.
Wichtig ist dabei, ehrlich mit den eigenen Werten umzugehen: Auch ungewöhnlich hohe oder niedrige Einzelmessungen sollten notiert werden, statt sie als vermeintlichen Messfehler wegzulassen. Nur eine vollständige Übersicht gibt ein realistisches Bild davon, wie sich der Blutdruck im Alltag tatsächlich verhält.
Wann besondere Vorsicht gilt
Die beschriebene Vorgehensweise eignet sich für die allgemeine Selbstkontrolle bei Menschen ohne bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung. Bei bestimmten Vorerkrankungen, etwa Herzrhythmusstörungen, kann es sein, dass Blutdruckwerte von Messung zu Messung besonders stark schwanken oder dass automatische Messgeräte ungenaue Ergebnisse liefern. In solchen Fällen sollte die Frage, wie und wie oft gemessen werden sollte, individuell mit einer Ärztin oder einem Arzt besprochen werden.
Auch während einer Schwangerschaft, bei bestimmten Medikamenten, die den Kreislauf beeinflussen, oder bei stark schwankenden Werten, die sich auch nach mehreren Messungen nicht beruhigen, ist eine individuelle ärztliche Einschätzung wichtig. Ein selbst erstelltes Messprotokoll ersetzt in diesen Situationen keine fachliche Beurteilung, kann aber als hilfreiche Grundlage für das Gespräch dienen.
Grundsätzlich gilt: Wiederholt deutlich erhöhte oder stark schwankende Werte, unabhängig davon, ob zwei- oder dreimal gemessen wurde, sollten nicht selbst gedeutet oder gar durch eigenmächtige Anpassung von Medikamenten behandelt werden. Stattdessen ist es sinnvoll, die dokumentierten Werte mitzubringen und gemeinsam mit medizinischem Fachpersonal zu besprechen, welche nächsten Schritte angebracht sind.
Fazit
Den Blutdruck mehrmals hintereinander zu messen, ist eine einfache und wirkungsvolle Methode, um zufällige Schwankungen von tatsächlich relevanten Werten zu unterscheiden. Zwei Messungen reichen für die tägliche Routine oft aus, bei größeren Abweichungen oder besonderen Anlässen ist eine dritte Messung sinnvoll. Wer dabei auf eine kurze Pause zwischen den Messungen, eine ruhige Sitzhaltung und eine vollständige Dokumentation aller Werte achtet, erhält ein deutlich verlässlicheres Bild – und eine gute Grundlage für das Gespräch mit ärztlichem Fachpersonal, falls die Werte einmal aus dem gewohnten Rahmen fallen.