Wer dreimal hintereinander Blutdruck misst, misst den eigenen Blutdruck also nicht nur einmal, sondern gleich mehrfach kurz nacheinander – mit kleinen Pausen zwischen den einzelnen Messungen. Diese Vorgehensweise gehört zu den gängigen Methoden der Blutdruckmessung und wird vor allem deshalb empfohlen, weil eine einzelne Messung stark schwanken kann. Im Folgenden geht es konkret darum, wie der Ablauf beim dreifachen Messen aussieht, welcher Abstand sinnvoll ist und wie die Werte am Ende ausgewertet werden.
Warum wird empfohlen, den Blutdruck mehrmals hintereinander zu messen?
Der Blutdruck ist kein starrer Wert, sondern verändert sich von Minute zu Minute – abhängig von Bewegung, Stress, Gesprächen oder einfach der Körperhaltung. Wer Blutdruck mehrmals hintereinander misst, gleicht diese natürlichen Schwankungen aus und bekommt ein realistischeres Bild als bei einer einzigen Messung.
Besonders die erste Messung fällt häufig etwas höher aus als die folgenden. Ein Grund dafür ist der sogenannte Weißkitteleffekt: Allein die Situation, gemessen zu werden – vor allem in einer Arztpraxis –, kann den Blutdruck kurzfristig ansteigen lassen. Aber auch beim Messen zu Hause kann die erste Messung durch Aufregung, Anspannung der Muskulatur oder eine noch unruhige Sitzposition verzerrt sein.
Wird der Blutdruck mehrfach hintereinander gemessen, beruhigt sich der Körper zwischen den Messungen meist etwas, und die späteren Werte liegen näher am tatsächlichen Ruheblutdruck. Deshalb wird in vielen Empfehlungen zur Selbstmessung dazu geraten, nicht nur einmal, sondern 3 mal hintereinander Blutdruck zu messen und daraus einen aussagekräftigeren Wert zu bilden.
Dieses Prinzip ist besonders wichtig, wenn Werte über einen längeren Zeitraum beobachtet werden sollen, etwa um Schwankungen zu erkennen oder eine Behandlung zu begleiten. Eine einzelne, möglicherweise zufällig zu hohe oder zu niedrige Messung sollte nie als alleinige Grundlage für Entscheidungen dienen – dafür sind immer mehrere Messungen und im Zweifel das Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt notwendig.
Der richtige Abstand zwischen den einzelnen Messungen
Damit die Methode funktioniert, kommt es nicht nur auf die Anzahl der Messungen an, sondern auch auf den zeitlichen Abstand dazwischen. Wer die Messungen zu schnell hintereinander durchführt, riskiert, dass die Blutgefäße im Arm noch nicht vollständig entspannt sind – das kann die Werte verzerren.
Ein bewährter Ablauf sieht so aus:
- Vor der ersten Messung etwa fünf Minuten ruhig und entspannt sitzen, ohne zu sprechen oder sich zu bewegen.
- Die erste Messung durchführen, dabei den Arm entspannt auf einer Tischfläche in Herzhöhe ablegen.
- Danach eine Pause von etwa ein bis zwei Minuten einlegen, in der die Manschette am Arm bleiben oder kurz gelockert werden kann.
- Die zweite Messung in gleicher Position und am gleichen Arm durchführen.
- Erneut ein bis zwei Minuten warten, bevor die dritte Messung folgt.
Wichtig ist, dass alle drei Messungen unter möglichst gleichen Bedingungen ablaufen: gleicher Arm, gleiche Sitzposition, gleiche Tageszeit. Wer zwischendurch aufsteht, telefoniert oder die Manschette am anderen Arm anlegt, erschwert den Vergleich der Werte untereinander.
Manche Blutdruckmessgeräte bieten eine automatische Dreifachmessung mit festen Pausen an und berechnen den Mittelwert direkt selbst. Wer ein einfacheres Gerät nutzt, kann die Pausen auch mit einer Uhr oder dem Handy abstoppen. Entscheidend ist weniger die exakte Sekundenzahl als die Tatsache, dass überhaupt eine kurze Erholungsphase zwischen den Messungen liegt.
Wie werden die drei gemessenen Werte richtig ausgewertet?
Nach drei Messungen liegen drei Werte für den oberen (systolischen) und drei Werte für den unteren (diastolischen) Blutdruck vor. Eine verbreitete Vorgehensweise ist, die erste Messung nicht in die Auswertung einzubeziehen, da sie – wie oben beschrieben – häufig durch Anspannung leicht erhöht ausfällt.
Aus den beiden verbleibenden Messungen wird dann üblicherweise der Durchschnitt gebildet: Die systolischen Werte der zweiten und dritten Messung werden addiert und durch zwei geteilt, ebenso die diastolischen Werte. Das Ergebnis gilt dann als aussagekräftigerer Wert für diesen Messzeitpunkt als eine einzelne Messung es wäre.
Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Zeigt die zweite Messung 138/88 mmHg und die dritte 132/84 mmHg, ergibt sich ein Mittelwert von etwa 135/86 mmHg. Dieser gemittelte Wert wird dann in ein Blutdruckprotokoll eingetragen, statt einzeln alle drei Rohwerte zu notieren – das macht die spätere Auswertung übersichtlicher.
Manche Geräte und Anleitungen empfehlen stattdessen, den Mittelwert aus allen drei Messungen zu bilden, ohne die erste zu verwerfen. Beide Varianten sind in der Praxis gebräuchlich, und welche im Einzelfall sinnvoll ist, kann von der Geräteanleitung oder von ärztlichen Empfehlungen abhängen. Bei Unsicherheit lohnt sich ein Blick in die Bedienungsanleitung des eigenen Geräts oder eine kurze Rückfrage bei der behandelnden Praxis, insbesondere wenn die Messung im Rahmen einer bestehenden Behandlung oder bei Vorerkrankungen erfolgt.
Wichtig ist in jedem Fall: Einzelne auffällige Werte sollten nicht überinterpretiert werden. Erst wenn über mehrere Tage oder Wochen ein wiederkehrendes Muster erkennbar ist, ergibt sich daraus eine belastbare Grundlage – und auch dann ist die fachliche Einordnung durch eine Ärztin oder einen Arzt sinnvoll, statt die Werte allein zu deuten.
Reicht auch zweimal messen? Der Unterschied zu drei Messungen
Nicht immer wird empfohlen, gleich dreimal zu messen. In manchen Anleitungen zur Selbstmessung zu Hause wird auch beschrieben, den Blutdruck zweimal hintereinander zu messen – etwa morgens und abends jeweils zwei Messungen im Abstand von ein bis zwei Minuten, anstatt drei.
Der Unterschied liegt vor allem im Kompromiss zwischen Genauigkeit und Zeitaufwand. Drei Messungen liefern tendenziell eine noch stabilere Grundlage, weil ein möglicher Ausreißer durch zwei weitere Werte besser ausgeglichen werden kann. Zwei Messungen sind schneller durchgeführt und für den Alltag oft praktikabler, besonders wenn ohnehin regelmäßig morgens und abends gemessen wird und sich über die Woche ein größeres Bild ergibt.
In der Praxis wird häufig so unterschieden:
- Bei einer erstmaligen Einschätzung oder wenn eine einzelne Messung ungewöhnlich hoch ausfällt, ist eine dreifache Messung mit anschließender Mittelwertbildung sinnvoller, um kurzfristige Schwankungen sicherer auszugleichen.
- Bei einer routinemäßigen Langzeitbeobachtung, bei der über mehrere Tage oder Wochen ohnehin viele Einzelmessungen zusammenkommen, kann eine zweifache Messung pro Sitzung ausreichen, weil sich die Gesamtzahl der Werte über die Zeit ergänzt.
Wer sich nicht sicher ist, welche Variante im eigenen Fall geeignet ist – etwa bei bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen, in der Schwangerschaft oder bei der Einnahme blutdrucksenkender Medikamente – sollte diese Frage direkt mit einer Ärztin oder einem Arzt klären, da die passende Vorgehensweise vom individuellen Gesundheitszustand abhängen kann.
Häufige Fehler beim mehrfachen Messen des Blutdrucks
Selbst wer sorgfältig 3x hintereinander den Blutdruck misst, kann durch kleine Unachtsamkeiten verzerrte Werte bekommen. Die folgenden Punkte gehören zu den häufigsten Fehlerquellen:
- Keine Ruhephase vor der ersten Messung: Wer direkt nach dem Treppensteigen, nach dem Essen oder kurz nach Kaffee misst, bekommt tendenziell höhere Werte.
- Sprechen während der Messung: Auch ein kurzes Gespräch während der Manschette aufpumpt, kann den Blutdruck messbar erhöhen.
- Zu kurze oder fehlende Pausen zwischen den Messungen: Wird sofort ohne Pause erneut gemessen, bleibt der Effekt der ersten, oft erhöhten Messung teilweise erhalten.
- Wechsel des Arms zwischen den Messungen: Da sich die Werte zwischen linkem und rechtem Arm leicht unterscheiden können, sollte immer derselbe Arm verwendet werden.
- Falsche Manschettengröße oder falscher Sitz: Eine zu enge oder zu locker sitzende Manschette kann die Messung deutlich verfälschen.
- Überkreuzte Beine oder ein nicht unterstützter Rücken: Beide Faktoren können den gemessenen Wert unbemerkt erhöhen.
- Volle Blase während der Messung: Auch dieser scheinbar unwichtige Faktor kann kurzfristig zu höheren Werten führen.
Wer diese Punkte im Blick behält, sorgt dafür, dass die drei Messungen tatsächlich vergleichbar sind – und nicht durch äußere Umstände verzerrt werden, die nichts mit dem eigentlichen Blutdruck zu tun haben. Gerade bei der mehrfachen Messung lohnt es sich, auf Konstanz zu achten: gleiche Uhrzeit, gleiche Haltung, gleicher Arm, gleiche Ruhephase davor.
Fazit
Wer den Blutdruck dreimal hintereinander misst und dabei kurze Pausen zwischen den Messungen einhält, bekommt ein deutlich zuverlässigeres Bild als durch eine einzelne Messung. Entscheidend sind eine ruhige Ausgangssituation, ein gleichbleibender Ablauf und eine sinnvolle Auswertung der Werte, etwa durch Mittelwertbildung aus der zweiten und dritten Messung. Ob am Ende zwei oder drei Messungen pro Sitzung sinnvoller sind, hängt von der persönlichen Situation ab – bei bestehenden Erkrankungen, in der Schwangerschaft oder bei Medikamenteneinnahme sollte diese Frage im persönlichen Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden.