Wer sich fragt, wann am besten Blutdruck messen sinnvoll ist, bekommt meist eine einfache Antwort: morgens vor dem Aufstehen und abends vor dem Schlafengehen, jeweils zu ähnlichen Uhrzeiten. Der Blutdruck schwankt im Tagesverlauf ganz natürlich, deshalb liefert nicht jede Tageszeit gleich verlässliche Werte. Wer diese Schwankungen kennt und die Messung richtig einplant, bekommt ein deutlich klareres Bild vom eigenen Blutdruck als bei zufälligen Einzelmessungen.
Welche Uhrzeit für den Blutdruck ist am besten?
Der Blutdruck folgt einem natürlichen Tagesrhythmus. In der Nacht ist er meist am niedrigsten, kurz nach dem Aufwachen steigt er an, und im Laufe des Vormittags erreicht er häufig einen ersten Höhepunkt. Über den Tag verteilt schwankt er weiter, oft mit einem zweiten Anstieg am späten Nachmittag oder frühen Abend, bevor er zur Nacht hin wieder absinkt. Wegen dieser Schwankungen ist eine einzelne Messung zu einer beliebigen Uhrzeit wenig aussagekräftig, wenn man den Blutdruck über einen längeren Zeitraum beobachten möchte.
Für eine sinnvolle Selbstkontrolle hat sich deshalb eine feste Routine bewährt: einmal morgens, kurz nachdem man wach ist, und einmal abends, bevor man sich hinlegt. Wichtig ist dabei weniger die exakte Uhrzeit als vielmehr, dass sie von Tag zu Tag möglichst gleich bleibt. Nur so lassen sich Werte über mehrere Tage oder Wochen sinnvoll miteinander vergleichen.
Bei der Morgenmessung gilt es, ein paar Punkte zu beachten, damit das Ergebnis nicht verfälscht wird:
- Vor dem ersten Kaffee oder Tee messen, da Koffein den Blutdruck kurzfristig erhöhen kann.
- Erst nach dem Toilettengang messen, eine volle Blase kann die Werte leicht nach oben verschieben.
- Nicht direkt nach dem Aufstehen, sondern nach ein paar Minuten Ruhe im Sitzen messen.
- Vor der Einnahme von Medikamenten messen, sofern der Arzt oder die Ärztin nichts anderes empfohlen hat.
Für die Abendmessung gilt Ähnliches: nicht direkt nach dem Sport, nicht unmittelbar nach einer stressigen Situation und nicht nach Alkohol, da all diese Faktoren die Werte kurzfristig beeinflussen. Wer regelmäßig misst, sollte die gewählten Zeitpunkte möglichst konstant beibehalten, damit die Werte über die Zeit vergleichbar bleiben. Wenn eine Ärztin oder ein Arzt aus medizinischen Gründen eine andere Messroutine vorschlägt, etwa bei bestimmten Vorerkrankungen oder Medikamenten, hat diese individuelle Empfehlung immer Vorrang vor allgemeinen Hinweisen.
Wo am besten Blutdruck messen: Umgebung und Bedingungen
Neben der Uhrzeit spielt auch die Umgebung eine wichtige Rolle dafür, wie zuverlässig eine Messung ausfällt. Am besten misst man zu Hause in einem ruhigen Raum, in dem man ungestört sitzen kann, ohne dass Fernseher, Gespräche oder andere Ablenkungen den Puls unbewusst in die Höhe treiben. Ein Raum mit angenehmer Temperatur ist ebenfalls hilfreich, da Kälte die Blutgefäße verengen und dadurch die Werte verändern kann.
Für eine korrekte Messung hat sich folgende Vorgehensweise etabliert:
- Etwa fünf Minuten ruhig sitzen, bevor die Messung beginnt.
- Auf einem Stuhl mit Rückenlehne sitzen, die Füße flach auf dem Boden, die Beine nicht übereinandergeschlagen.
- Den Arm entspannt auf einer Tischplatte ablegen, sodass die Manschette etwa auf Herzhöhe liegt.
- Während der Messung nicht sprechen und möglichst still sitzen.
- Die Manschette direkt auf der Haut anlegen, nicht über dicker Kleidung.
Diese Bedingungen lassen sich zu Hause meist gut herstellen, weshalb häusliche Messungen für die regelmäßige Kontrolle besonders geeignet sind. In einer Arztpraxis oder Apotheke ist die Umgebung dagegen oft ungewohnter, was bei manchen Menschen zu vorübergehend erhöhten Werten führen kann, die im Alltag lediglich in dieser speziellen Situation auftreten. Dieses Phänomen ist bekannt und einer der Gründe, warum Ärztinnen und Ärzte bei Bedarf ergänzend eine häusliche Messung oder eine Langzeitmessung über 24 Stunden vorschlagen.
Was hört man beim Blutdruck messen?
Wer den Blutdruck noch mit einem klassischen Gerät misst, bei dem die Manschette per Hand aufgepumpt wird, arbeitet meist mit einem Stethoskop, das an der Ellenbeuge angesetzt wird. Beim langsamen Ablassen der Luft aus der Manschette werden in einem bestimmten Bereich Geräusche hörbar, die als sogenannte Korotkow-Töne bezeichnet werden. Sie entstehen dadurch, dass das Blut wieder beginnt, durch die zuvor abgedrückte Arterie zu strömen.
Der Moment, in dem diese Töne zum ersten Mal auftauchen, markiert den oberen, systolischen Wert – also den Druck, der beim Zusammenziehen des Herzens in den Gefäßen entsteht. Wenn die Töne wieder vollständig verschwinden, ist der untere, diastolische Wert erreicht, der den Druck in der Entspannungsphase des Herzens beschreibt. Diese Methode wird als auskultatorisch bezeichnet, vom lateinischen Wort für „zuhören“, und war lange Zeit der Standard in Arztpraxen.
Die meisten Blutdruckmessgeräte für den Hausgebrauch arbeiten heute jedoch elektronisch und oszillometrisch. Das bedeutet, dass man selbst keine Geräusche hört, sondern das Gerät die feinen Druckschwankungen in der Manschette misst, die durch den Pulsschlag entstehen, und daraus automatisch die beiden Werte sowie die Pulsfrequenz berechnet. Man hört bei diesen Geräten lediglich das leise Surren der Pumpe und ein Ablassen der Luft, aber keine Herztöne. Beide Verfahren sind etablierte, anerkannte Messmethoden; welches Gerät im Einzelfall geeignet ist, lässt sich am besten in der Apotheke oder beim Arzt klären, insbesondere wenn Vorerkrankungen wie Herzrhythmusstörungen vorliegen, die manche automatischen Geräte weniger genau erfassen können.
Wo kann ich den Blutdruck messen lassen?
Neben der Selbstmessung zu Hause gibt es mehrere Anlaufstellen, an denen sich der Blutdruck professionell messen lässt. Diese Möglichkeiten unterscheiden sich in Aufwand, Häufigkeit und Aussagekraft:
- Hausarztpraxis: Hier wird der Blutdruck routinemäßig bei Vorsorgeuntersuchungen sowie bei gezielten Kontrollterminen gemessen, oft ergänzt durch weitere Untersuchungen.
- Apotheken: Viele Apotheken bieten eine kostenlose oder kostengünstige Blutdruckmessung an, die sich für eine gelegentliche Kontrolle eignet, etwa wenn kein eigenes Gerät vorhanden ist.
- Facharztpraxen, etwa bei Kardiologinnen und Kardiologen, wenn eine genauere Abklärung notwendig ist.
- Zu Hause mit einem eigenen Gerät, was sich besonders für die regelmäßige Verlaufskontrolle über Wochen oder Monate eignet.
Für eine langfristige Beobachtung ist die Messung zu Hause meist am aussagekräftigsten, weil sie unter gewohnten Bedingungen stattfindet und mehrere Werte über die Zeit gesammelt werden können. Einzelmessungen in der Praxis oder Apotheke sind trotzdem sinnvoll, um die eigenen Werte einzuordnen und mit einer Fachperson zu besprechen. Wer zum ersten Mal auffällige Werte feststellt oder unsicher ist, wie die eigenen Messungen zu bewerten sind, sollte dies nicht selbst deuten, sondern mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen, da die Einordnung von individuellen Faktoren wie Alter, Vorerkrankungen oder eingenommenen Medikamenten abhängt.
Manche Krankenkassen oder Gesundheitszentren bieten außerdem Aktionstage oder Beratungsangebote zur Blutdruckmessung an. Solche Gelegenheiten können hilfreich sein, um das eigene Messgerät zu überprüfen oder die richtige Technik zu erlernen, ersetzen aber keine regelmäßige eigene Kontrolle bei bekannten Blutdruckwerten außerhalb des Normbereichs.
Fazit
Für zuverlässige Werte lohnt sich eine feste Routine: morgens und abends zu ähnlichen Uhrzeiten, in ruhiger Umgebung, nach einigen Minuten Ruhe und ohne Koffein, Sport oder Stress unmittelbar davor. Ob dabei ein klassisches Gerät mit hörbaren Herztönen oder ein automatisches Gerät zum Einsatz kommt, spielt für die Aussagekraft der Werte eine untergeordnete Rolle, solange die Bedingungen bei jeder Messung möglichst gleich bleiben. Bei Fragen zu auffälligen Werten oder zur passenden Messroutine ist eine Ärztin, ein Arzt oder das Fachpersonal in der Apotheke die richtige Anlaufstelle.